Ein Geografie-Abenteuer in Braunschweig

Puh… Einige Tage habe ich jetzt die Ereignisse des letzten Wochenendes sacken lassen und so ganz realisieren kann ich das Ganze auch immer noch nicht.

Aber fangen wir erstmal am Anfang an:

Die Tage vom 15 bis 16. November 2019 verbrachte ich mit einer Truppe anderer Schüler in Braunschweig. Ich hatte nämlich einige Wochen zuvor, innerhalb meiner Schule bei einem bilingualen Geografiewettbewerb namens „Diercke iGeo“ teilgenommen und bin in der ersten Runde dann erst einmal Schulsiegerin geworden. Einige Wochenenden danach erreichte mich eine Email von der iGeo Wettbewerbsleitung, in der ich zum Bundesfinale nach Braunschweig eingeladen wurde, da ich nun auch noch Landessiegerin von Sachsen-Anhalt geworden war.

Als ich die Einladung erhalten hatte, saß ich gerade mit meinen Oma und Opa bei einem Käffchen im Garten und war natürlich erstmal wirklich sprachlos. Ich als Landessiegerin? Und ich sollte jetzt auch noch gegen die besten Geografieschüler der anderen Bundesländer antreten. Omg. Das wollte mein Kopf gar nicht erst so richtig begreifen.

Ich hatte bei dem Wettbewerb einfach so, ohne irgendwelche großen Erwartungen, teilgenommen.Und jetzt war ich plötzlich sozusagen die „Beste Geografieschülerin Sachsen-Anhalts“. Unglaublich!

Nachdem der erste perplexe Schock überwunden war, kam die Vorfreude und Aufregung. Es würde also bald nach Braunschweig gehen. Für zwei Tage! Für das Bundesfinale! Man, man, ich war immer noch leicht überrumpelt.

Aber Kaffee und Kuchen mit Oma war dann natürlich irgendwie gleich doppelt so schön… 🙂

Ich fing an die Tage bis zum 15. November zu zählen. Die Woche direkt vor dem schicksalhaften Termin war ich jeden einzelnen Tag ein Stückchen aufgeregter und ich arbeitete in den meisten freien Minuten, die ich hatte, an Geografie. Man wusste natürlich gar nicht, was das Thema sein würde, deshalb kümmerte ich mich um einige grobe Oberbegriffe und ein paar derer Unterteilungen.

Doch irgendwie ließ die Aufregung kein bisschen nach und so wirklich vorbereitet fühlte ich mich auch nicht, ich hatte schließlich absolut keine Ahnung, was mich dort erwarten würde.

Und dann war es soweit…

Plötzlich saß ich mit meinem Papa im Auto auf dem Weg in Richtung Braunschweig. Auch wenn wir uns über ganz andere Themen unterhielten, ließ die Spannung in mir nicht nach. Meine Notizen lagen vor mir auf meinem Schoß und ich schaute alle paar Minuten mal darauf, doch merken konnte ich mir nichts mehr.

Wir kamen etwas zu früh an, parkten fast direkt vor der Jugendherberge, in der das Bundesfinale stattfinden sollte, doch wir gingen noch auf die Suche nach einer Möglichkeit einen Tee zu trinken, bevor es dann schließlich ernst wurde. In einem Café um die Ecke unterhielten wir uns noch kurz und ich packte endlich die Geografienotizen in meine Tasche, um mich nicht noch weiter verrückt zu machen.

Tee war ausgetrunken, ein paar motivierende Worte von Papa gesprochen und schon fand ich mich in der Lobby der Jugendherberge wieder. Neben mir saßen schon ein paar andere Jugendliche, die ebenso auf den Wettbewerb warteten. Ich hörte einige Gespräche über rein geografische Themen und meine Hoffnung auf eine klitzekleine Chance in diesem Wettstreit verschwand ganz langsam.

Als wir dann endlich etwas in die kommenden 24 Stunden eingeweiht wurden, konnten wir unsere Zimmer beziehen. Wir waren insgesamt 14 Schüler aus ganz Deutschland, 5 davon waren Mädchen. Ich teilte mir ein Zimmer mit drei anderen Mädels; erst war es etwas still, aber als man sich dann langsam näher kennenlernte (und feststellte, dass wir alle eigentlich ganz nett waren), war es deutlich einfacher Konversationen zu führen. Eins der fünf Mädchen übernachtete nicht in der Herberge, da sie aus Wolfsburg kam und einen recht kurzen Anreiseweg hatte.

Wir hatten nicht viel Zeit in unseren Zimmern; der Plan ging straff weiter. Nach einer kurzen Einführung und Vorstellung der Betreuer fingen wir mit den zwei Klausuren an. Wir hatten 90 Minuten, um beide zu bearbeiten. Die erste Arbeit befasste sich mit physisch-geografischen Themen, genauer gesagt war unser Thema „Leben am Vesuv“, bei der zweiten handelte es sich um London als human-geografisches Themengebiet. Alles war in englischer Sprache verfasst und zu beantworten.

Jetzt: 10 Minuten Pause!

Also nur eine kurze Erholungsphase, bevor es dann weiter ging mit einem Multi-Media-Test. Es wurden uns Abbildungen gezeigt, zu denen wir dann Multiple Choice Aufgaben beantworten mussten. Puh, das war wirklich nicht leicht, bei den meisten Bildern konnte man nur raten.

Und dann waren wir für diesen Tag mit Geografie durch. Anschließend gab es Abendbrot, bei dem man sich dann untereinander erstmal etwas kennenlernen konnte. Die anderen Teilnehmer waren sehr nett, obwohl man es kaum schaffte, mit allen in Kontakt zu treten. Ich habe Leute aus Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Bremen, Sachsen, Thüringen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen etc. kennengelernt.

Abends ging es für uns dann noch in die Altstadt von Braunschweig zu einer Nachtwächterwanderung, die tatsächlich noch sehr amüsant war. Vorher wusste ich, zum Beispiel, nicht, was eine Hellebarde ist. Wer hätte gedacht, dass man von einem Geografie-Bundesfinale wiederkehrt und eine neue Waffe kennenlernt?

Kurz vor 10 Uhr ging es dann zurück zur Herberge. Und eigentlich war ja dann auch schon Nachtruhe im Haus. Aber ich stand noch im Flur mit zwei neuen Bekanntschaften aus Schleswig-Holstein und Bremen und quatschte eine ganze Weile über Schulsysteme, Zukunftspläne, Deutsch und Philosophie (und Yoghurt?). Es war also ein durch und durch aufschlussreicher und lustiger Abend, mit interessantem Gang durch das abendliche Braunschweig und nächtlichen Gesprächen im Herbergsflur.

Am nächsten Tag stand dann nach dem Frühstück der letzte Arbeitsauftrag an: Eine nahegelegene Straße kartieren. Wir mussten also erst einmal die Location erkunden und die nötigen Informationen sammeln und mussten dann innerhalb einer Stunde die eingebrachten Erkenntnisse auf Papier bringen. Sehr wenige von uns hatten solch eine Aufgabe je zuvor machen müssen, also hatten wir alle ähnliche Chancen.

Und dann hatten wir alle nötigen Arbeitsaufträge abgeschlossen.

Jetzt hieß es also auf die Ergebnisse warten. Um ehrlich zu sein, hatte ich nicht wirklich die besten Gefühle bezüglich meiner geleisteten Arbeit, aber ich machte mir keinen Kopf. Ich war tatsächlich beim Bundesfinale und hatte ein paar interessante und coole Leute kennengelernt, das reichte mir schon. Klar, hatte ich innerlich den Wunsch, dass es reichen würde um unter die vier besten zu kommen, die dann nach Istanbul zur Weltolympiade gehen würden. Aber diese Vorstellung fühlte sich ein wenig utopisch an, vielleicht…

Plötzlich war es soweit: die Preisverleihung!

Zitternd und aufgeregt saßen wir auf unseren Plätzen und schauten erwartungsvoll zu unseren Betreuern. Es begann mit den Landessieger-Urkunden, von denen natürlich erstmal fast alle eine bekamen. Dann ging es erst richtig los.

Die Teilnahme-Urkunden wurden als nächstes ausgeteilt, und das nur an diejenigen, die es nicht unter die vier besten geschafft hatten. Ich wartete ab, dass mein Name aufgerufen würde, während eine Urkunde nach der anderen ausgegeben wurde. Und mein Name ließ auf sich warten. Er wurde nicht genannt. Dann kam es zur letzten Urkunde

…und es war nicht meine!

Wie jetzt?! Hieß das wirklich, dass ich nach Istanbul fahren würde? Hieß es das?

Es waren genau vier übrig, die jetzt nach vorne gerufen wurden. Und ich war dabei. Was? OMG!

Ich war so verwirrt, dass ich komplett vergessen hatte, dass es jetzt sogar noch die finalen Platzierungen geben würde. Es wurden der 4., der 3., der 2. Platz vergeben und plötzlich war nur noch ich die einzige, die keine Urkunde in den Händen hielt. Passierte das gerade wirklich?

Und dann hörte ich es nur wie im Tunnel: „Den 1. Platz belegt Charlotte…“

Wow, wow, wow…

Ich kam aus dem Grinsen nicht mehr raus und konnte es gar nicht richtig fassen. Wir bekamen ein paar Präsente überreicht (die übrigens auch als Requisiten für die Bilder dienten hehe) und wurden noch ein paar mal zusammen fotografiert. Wir waren jetzt also das Team Germany! Unglaublich…

Ich freue mich riesig über meine Platzierung und ich glaube fest, dass wir vier ein ziemlich gutes Team sind und Deutschland in Istanbul gut vertreten werden. Ich freue mich schon auf das bevorstehende Abenteuer mit allen!

Ich bin außerdem überglücklich, dass ich das Wochenende in Braunschweig mit all den Geografie-Profis verbringen durfte. Getroffen habe ich einige coole Leute und insbesondere mit zweien davon habe ich mich wirklich gut verstanden: die Landessieger aus Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Ich hoffe, wir bleiben noch lange in Kontakt und schaffen es, uns so bald wie möglich mal zu treffen! 🙂

Ein riesiges DANKE an Diercke iGeo und dessen Veranstalter für diese Möglichkeit. Ich hatte viel zu kurze, aber absolut gelungene und spaßige 24 Stunden in Braunschweig!

Danke, danke, danke!

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