Auf Spurensuche: Wann war der letzte Montagspost?

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Meine Spurensuche hat ergeben, dass der letzte Monatgspost auf frischgelesen.de über ein Jahr zurück liegt, also nicht ganz in der Steinzeit wie das Titelbild vermuten läßt. Und trotzdem will ich eigentlich keine großen Erklärungen abgeben, warum es bisher keinen wöchentlichen Post mehr gab. Das langweilt mich persönlich immer zu Tode, wenn auf anderen Blogs lange Rechtfertigung geschrieben werden, warum dieses oder jenes nicht passiert ist. Meistens war der Blogger krank, auf einem Selbstfindungstripp, oder einfach viel zu busy. Was auch immer!

Ich war also weder krank, habe mich auch nicht selbst gefunden (oder vielleicht doch) und busy sind wir Teenager doch sowieso immer, oder?

 

„Ja Mami, sind wir!“

 

Eltern sind ja generell der Meinung wir würden pausenlos rumhängen. Aber das ist in meinen Augen ein Generationsproblem, das können wir nur lösen, indem wir erwachsen werden. Dann wechseln wir einfach auf die Seite der Erwachsenen und werden unseren Kindern stets und ständig vorwerfen, dass sie pausenlos rumhängen. Problem gelöst! Für uns jedenfalls. 😉

...da gibt es ja eher verbal "etwas auf den Deckel", aber hier begebe ich mich tatsächlich auf eine Spurensuche.
Dies ist keine Schutzbekleidung für die Pubertät… 😉

Auf jeden Fall habe ich mir (mal wieder) vorgenommen, den Montagspost erneut zu beleben, um euch ein bisschen auf dem Laufenden zu halten. Außerdem ist so ein festgelegter Tag immer auch ein kleines „Druckmittel“ für mich selbst. Mal sehen, wie lange ich durchhalte. Wollen wir Wetten abschließen? Ach, nein lieber nicht!

Mich beschäftigt allerdings im Moment noch eine ganz andere Spurensuche.

Ich hatte euch schon ein bisschen von unserer Englandreise berichtet und auch bereits ein paar Bilder aus Ramsgate gezeigt, aber gerade in dieser englischen Hafenstadt wurde mir unsere deutsche Geschichte wieder allzu bewusst. Die Stadt ist mit einem unterirdischem Tunnelsystem unterwandert, was im Zweiten Weltkrieg tausenden Bewohnern von Ramsgate während der deutschen Luftangriffe das Leben rettete.

Die Ramsgate Tunnels wurden in den 30er Jahren ausgebaut, obwohl viele Menschen davon überzeugt waren, dass sie reine Geldverschwendung wären. Niemand ging davon aus, dass das Naziregime so verheerende Ausmaße annehmen würde und dass der Krieg auch England erreichen könnte.

Für mich ist es immer ein merkwürdiges Gefühl, wenn dieser unrühmliche Teil unserer deutschen Geschichte mir im Ausland begegnet. Klar, bin weder ich noch meine Eltern oder Großeltern Schuld am Krieg, aber trotzdem fühle ich mich in solchen Momenten immer auch ein bisschen unwohl. Ich denke, jede Nation hat diese eigenen düsteren Episoden in der Geschichte, doch unsere ist ja noch recht frisch. Umso glücklicher war ich dann, als mir der englische Tourguide am Ausgang der Ramsgate Tunnels besonders freundlich zulächelte. Er hatte wohl irgendwie bemerkt, welche Gedanken mich gerade beschäftigt hatten.

Wir sollten also sehr dankbar dafür sein, dass wir diesen furchtbaren Teil der deutschen Geschichte hinter uns gelassen haben und ich heute über einen Schüleraustausch in England nachdenken kann. Ein friedvolles Miteinander heißt eben auch verzeihen können. Nicht vergessen, Spurensuche erlaubt!

Solltet ihr einmal an der Küste von Südengland unterwegs sein, müsst ihr euch die Ramsgate Tunnels auf jeden Fall anschauen.

 

 

Ich kann euch zwar mit ein paar Bildern neugierig machen, aber die Stimmung und die Empfindungen werdet ihr dort vor Ort sicher besser einfangen können. Außerdem war es in den Ramsgate Tunnels natürlich sehr dunkel, so dass auch manches Foto eher zur Spurensuche wird. Oder ich erkläre diese Bilder einfach zur Kunst und behaupte, genauso wollte ich es haben. 😉

Aber ich finde das Bild passt zu meiner Spurensuche, oder?
Hier hat die Kamera wohl eher meine Gedanken eingefangen.
Auch die Dunkelheit kann sehr bedrückend sein.
Die Führung ist eher nichts für Menschen mit Platzangst.
Darum gibt es auch nur geführte Besichtigungen in den Ramsgate Tunnels.
Inzwischen sind auch einige Bereiche verschüttet.

Zum Teil haben ganze Familien noch Jahre nach Kriegsende dort gelebt. Für mich einfach unvorstellbar, aber damals gaben ihnen die Ramsgate Tunnels wohl jede Menge Hoffnung. Und ein zu Hause. Die zwölfjährige Gwendoline Langridge sagte damals über die Zeit im Tunnel: „Every day was an adventure. We made a lot of friends and we made our own entertainment.“ 

Das klingt, als hätte sie trotz der schweren Umstände dort unten eine tolle Zeit gehabt. Auch heute haben die Schulen von Ramsgate einen Zugang zum Tunnelsystem, denn während des Ersten Weltkriegs wurden Schüler bei einem Luftangriff getötet.

Heute sind sie sicher abgesperrt.
Die Zeichnungen stammen aus späteren Zeiten, die Tunnel übten immer eine Faszination aus.
Auf engstem Raum lebte dort eine ganze Familie.
So hatten sich die Menschen kleine „Wohnungen“ gebaut.
Würden wir dann auch den tag als neues Abenteuert betrachten?
Könntet ihr es euch vorstellen so zu leben?

Ich fand die Vorstellung schön, dass die Menschen sich damals geholfen und Mut zugesprochen haben, das ist heute ja manchmal ein bisschen abhanden gekommen. Gerade erst gestern wieder erlebt und da ging es nur um einen Stellplatz beim Kinderflohmarkt. Ich frage mich, wie die „Dame“, die mich da gestern fast von der Rolltreppe geschuppt hat, sich wohl im Ramsgate Tunnel benommen hätte. Ach, vielleicht möchte ich das gar nicht wissen. 😉

Dieser Montagspost war etwas nachdenklich, aber das sind die Gedanken  die mich seit unserer Reise immer wieder beschäftigen und die ich mit euch teilen möchte. Der nächste Montag setht dann wahrscheinlich ganz im Zeichen von Musik und Brüderchens Geburtstag. Das wird ganz sicher toll.

Ich wünsche euch eine spannende Woche mit schönen Herbsttagen und ohne schupsende Erwachsende! Wir lesen uns!

 

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