Gute-Nacht-Geschichte „Die Glückskatze“

Gute-Nacht-Geschichte für Charlotte

(geschrieben von meiner Mama vor ca. 8 Jahren)

„Die Glückskatze“

In einem wunderschönem Haus am Rande der Stadt lebte eine Familie mit zwei Kindern. Der Junge hieß Maximilian und war schon groß, fast kein Kind mehr. Er spielte Fußball und hatte eine Menge Freunde mit denen er immer unterwegs war. Aber wenn er mit seiner Schwester im Garten des Hauses wild auf dem Trampolin herum hüpfte, hätte man vermuten können, dass er noch ein ganz kleiner Junge war.

Charlotte war sechs Jahre alt und schon sehr schlau. Sie interessierte sich für viele Dinge, sang und tanzte den ganzen Tag lang.

Die beiden Kinder waren sehr glücklich und hatten immer viel Spaß miteinander.

Außer den Eltern gab es noch die Katze Rosali im Haus. Rosali war eine sogenannte Glückskatze, denn sie besaß ein dreifarbiges Fell. Aber auch sonst war die Katze etwas sehr Besonderes, denn sie hatte gelernt der Familie mit kleinen Gesten zu zeigen, was ihr gerade fehlte. Sie klopfte mit der Pfote und ausgestreckten Krallen an die Scheibe der Balkontür, wenn sie jemanden brauchte, der diese öffnete, oder wies laut miauend auf ihren Fressnapf, wenn dieser leer war.

Wenn Charlotte ein Buch las oder einen Film guckte, kuschelte sich die Katze Rosali gern mit auf den Sessel und schlief neben ihr ein.

Manchmal versteckte sich Rosali auch einfach unter Kissen oder Decken auf dem Sofa. Die Familie musste immer aufpassen, dass sich niemand auf die Katze setzte.

Mit Rosali wurde es nie langweilig und obwohl Charlotte und Maximilian bald ihre ganzen Verstecke ausgekundschaftet hatten, gab es Zeiten, da verschwand das Tier einfach und keiner konnte es finden. Da Rosali aber immer irgendwann wieder kam, machte sich die Familie keine Sorgen.

Nur der kleinen Charlotte war aufgefallen, dass die Katze immer irgendwie verändert war, wenn sie wieder auftauchte, aber erklären konnte sie dies nicht, es war mehr so ein Gefühl, was sie hatte.

Eines Tages war Rosali wieder den ganzen Tag verschwunden und die Kinder konnten sie nirgends entdecken. Am Abend spazierte die Katze dann ganz stolz an Charlotte vorbei zum Fressnapf. „Wo warst du nur? Wir haben uns Sorgen gemacht.“, rief Charlotte und streichelte das flauschige Fell. Die Katze sah das Mädchen an. ‚Was war denn das? Hatte sie gegrinst? Ach Quatsch, Katzen grinsen doch nicht, naja oder nur in Büchern oder Filmen.‘, dachte sich Charlotte und war ganz durcheinander. Irgendetwas war komisch und Charlotte wollte es heraus finden.

Am nächsten Tag legten sich die beiden Kinder auf die Lauer. ‚Heute werden wir herausfinden wo du dich immer versteckst!‘, dachte sich Maximilian. Doch die Katze ließ sich Zeit. Ahnte sie etwa, was die beiden Kinder vorhatten?

Plötzlich rannte Rosali los, schnurstracks in Charlottes rosa Zimmer. Die Kinder folgten ihr sofort, aber im Zimmer angekommen, war von der Katze nichts mehr zu sehen. Maximilian und Charlotte waren ratlos und suchten den ganzen Raum ab, da hörten sie ein Geräusch. Es war eher ein Flüstern und kam eindeutig aus Charlottes wunderschönem rosa Kleiderschrank. Da hatte sie sich also versteckt. Eigentlich sollte sie dort nicht drin sein, weil dann immer die ganzen Katzenhaare auf Charlottes Kleidern verteilt waren. Die Mama hatte sie schon oft aus dem Schrank gescheucht. Deshalb wohl Rosalis Heimlichtuerei.

Charlotte und Maximilian schlichen sich langsam heran und öffneten die Schranktür. Aber da war keine Katze.Nirgends. Das konnte nicht sein. Hatte sich Rosali in Luft aufgelöst?

Seltsam war auch, dass das Geräusch jetzt deutlicher zu hören war. Die Kinder schmissen alle Kleidungsstücke und Spielsachen aus dem Schrank, sie wollten das Geheimnis lüften.

Als der Schrank dann endlich leer war, vernahmen die Kinder das Flüstern noch intensiver. Es kam aus der Schrankecke.

Maximilian und Charlotte krabbelten in den Kleiderschrank hinein und dann sahen sie es. Es war unglaublich. Im hintersten Winkel des Schrankes, wo sonst allerlei Zeug herumlag, standen eine Menge winzig kleiner Wesen mit Flügeln vor einer Art Schloss aus Blättern und in ihrer Mitte lag eine geschrumpfte Rosali. Winzig klein zwar, aber es war Rosali und sie schnurrte laut. Einfach unfassbar.

Maximilian war entsetzt, er hielt nichts von den Feengeschichten seiner kleinen Schwester und wollte so etwas hier einfach nicht sehen. Ein Junge in seinem Alter glaubt nicht an solche Wesen, klein und zerbrechlich, mit glitzernden Flügeln. Das ist doch alles Quatsch aus Charlottes Büchern. Er rieb sich die Augen so fest bis sie brannten. Aber die kleinen Wesen und die Minirosali blieben da.

Charlotte hingegen war begeistert. Sie hatte immer schon an Feen geglaubt und auch schon einmal im Garten ein kleines Feenhaus errichte um sie anzulocken.

Jetzt fiel es ihr auch wieder ein, diese Veränderung von Rosali, das war eine Art Strahlen, irgendwie unwirklich. Es muss Feenstaub gewesen sein, ja genau das war die Erklärung.

Mann, war das aufregend! Vor lauter Staunen hatten die Kinder gar nicht bemerkt, dass die Feen sie ebenso überrascht anstarrten. Nur die geschrumpfte Rosali war überhaupt nicht erstaunt und schnurrte weiter vor sich hin.

Jetzt trat eine Fee nach vorn. Sie trug ein perlmuttfarbenes schimmerndes Gewand, was über und über mit glitzernden Kügelchen bestickt war und blickte zu den beiden herauf.

Maximilian schloss seine Augen, er wollte wohl nicht sehen, woran er nicht glaubte.

Aber Charlotte war ganz aufmerksam und hätte am liebsten tausend Fragen gestellt, wollte aber die kleinen Wesen nicht erschrecken. Es wirkte alles so unwirklich, so zerbrechlich, fast durchsichtig.

Nun begann die Fee zu sprechen. Sie hatte eine wunderschöne warmherzige Stimme und sagte den Kindern zugewandt: „Jetzt habt ihr uns also entdeckt. Ja, lieber Maximilian, wir können auch noch sprechen und du bist nicht verrückt geworden. Das du an diesem Wunder teilhaben kannst, verdankst du einzig und allein deiner Schwester. Sie hat immer an uns geglaubt und wußte tief in ihrem Herzen, dass es uns gibt. Stimmt’s Charlotte? So ist es doch, oder?“

Die Fee blickte Charlotte erwartungsvoll an und ihre kunstvoll geschwungenen Flügel schimmerten bei jeder Bewegung in allen Farben des Regenbogens. Dabei löste sich Feenstaub und landete direkt auf dem Fell von Rosali, die jetzt auch zu den beiden Kindern aufblickte.

„Ja, ich habe mir immer gewünscht, dass es euch wirklich gibt. Die Menschen erzählen sich schon so lange Feengeschichten, das konnten sie sich doch nicht alles nur ausgedacht haben. Irgendwer musste doch schon einmal welche gesehen haben.“, sagte Charlotte mit leuchtenden Augen.

Die kleine Fee sah die Kinder liebevoll an und riet ihnen, nur den wirklichen Freunden von diesem Ereignis zu erzählen, denn alle anderen werden es nicht glauben und sich lustig machen. „So werdet ihr vielleicht auch herausfinden, wer wahre Freunde sind!“

„Wieso durften wir euch entdecken?, fragte Maximilian zaghaft.

„Das ist eine lange Geschichte.“, sagte die Fee,“Aber ich werde versuchen es euch zu erklären. Vor vielen Jahren habt ihr Rosali aus dem Tierheim geholt, das zeigte uns dass ihr ein gutes Herz habt, und da Rosali eine Glückskatze ist achten wir Feen ganz besonders auf sie. Dazu kam dann, dass Charlotte an uns Feen glaubt und da dachten wir, euer Haus könnte ein guter Platz für unser kleines Reich sein und siedelten uns hier an. Da Glückskatzen uns Feen hören können, war es nur eine Frage der Zeit bis eure Rosali uns entdeckt hat. Und da ein altes Feengesetz besagt, dass die Katze einer Familie bei der Feen leben, gleichzeitig auch zu den Feen gehört, haben wir uns um Rosali gekümmert. Rosali ist wirklich eine ganz besondere Katze und sie ist sehr glücklich bei euch.“

Von diesem Tage an, war der Schrank in Charlottes Zimmer etwas ganz Besonderes und Maximilian und Charlotte besuchten die Feen jeden Tag. Auch das Aufräumen des Kleiderschrankes hat Charlotte von nun an ganz allein übernommen, damit ihre Mama die Feen nicht erschreckt.

P.S. Das mit dem Aufräumen des Schrankes war wohl ein Wunsch meiner Mama, den sie hier in ihrer Geschichte „verbraten“ hat. Ich kann euch nur sagen, dass es nicht funktioniert hat… Keine Feen und keine Ordnung im Schrank!

So, und jetzt: Träumt süß!

 

Rosali im "Feenstaub-Rausch"...
Rosali im „Feenstaub-Rausch“…
13 Responses to "Gute-Nacht-Geschichte „Die Glückskatze“"
  1. Wünderschöne Geschichte!! Bin beim Googeln drauf gestoßen und meiner kleinen (6J.) als GuteNachtGeschichte vorgelesen. Klasse, weiter so!

  2. Hallo liebe Charlotte,

    ich bin bei der Suche nach einer Gute-Nacht-Geschichte mit Bezug auf Katzen auf deine Seite gestoßen. Ich habe sie eben meiner Freundin vorgelesen und war danach total fasziniert, wie viele Informationen es rund um diese Geschichte mit Rosali gibt. Das Bild mit ihr und der Zusatz mit dem Schrank-Aufräumen. Zudem habe ich mir deinen Blog genauer angeschaut. Solch ein Bild zu einer Geschichte (und den Figuren darin) bekommt man nicht oft. Da kann ich mich dem Kommentar von Jana nur anschließen.

    Weitere Geschichten, wie diese mit Rosali würde ich sehr gern (vor-)lesen. Fühl dich gern angespornt dazu. 🙂

    Liebe Grüße aus Hamburg

    Sebastian

    • Lieber Sebastian,

      erst einmal vielen Dank für diesen tollen Kommentar, den ich eben erst entdeckt habe. Warum er mir vorher nicht angezeigt wurde, kann ich mir nicht erklären. Aber ganz egal, ich freue mich riesig und ganz besonders, dass die Rosali auf diese Weise immer in Erinnerung bleiben wird.
      Und vielen Dank auch für den Ansporn, den kann ich gut gebrauchen, da ich momentan in einer kleinen „Blogkade“ stecke. Dabei habe ich eigentlich so viele Ideen für Geschichten im Kopf, vielleicht habe ich einfach solchen Kommentar gebraucht. 🙂

      Liebe Grüße
      Charli

  3. Meinem kleinem Enkel, ist vor 3 Wochen 5 Jahre alt geworden, bat mich eine Gutenachtgeschichte mit einer Katze zu suchen und da habe ich Rosalie gefunde. Diese Geschichte gefällt ihm so gut das ich sie immer wieder vorlesen muss. Ich beneide Menschen die so viel gute Einfälle, Ideen und das Einfühlungsvermögen haben für Kinder und Kind gebliebene Erwachsene solch schöne Geschichten zu erzählen. Danke

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