Erfindungen wie Facebook, Instagram, Hashtags...

Die Welt spielt verrückt – Eine digitale Hetzkampagne jagt die nächste

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Obwohl mir im Moment sehr viele Themen im Kopf herum schwirren, war ich irgendwie nicht motiviert, sie hier auf frischgelesen.de zu veröffentlichen. Warum? Weil mir die Art der Diskussionen im Netz nicht mehr gefällt.

Ich kann mich ja nun langsam nicht mehr auf mein Kindsein berufen und mir alles einfach so von der Seele schreiben. Kinder dürfen sagen, was sie denken. Man, war das damals schön, ganz ohne Konsequenzen! Naja, nur so klitzekleine vielleicht wie: „Jetzt sag dem Paul, dass du das nicht so gemeint hast und entschuldige dich!“. Erinnert ihr euch auch noch an diese unbeschwerte Zeit, als darüber reden immer geholfen hat?

Heute bin ich fast erwachsen und muss Verantwortung übernehmen für die Dinge, die ich sage oder hier aufschreibe.

Im wirklichen Leben ist es nicht wie bei einem Twitter-Tweet, der morgen wieder durch einen neuen Hashtag ersetzt wird. Heute kann jeder seine Meinung online stellen und für eine digitale Hetzjagd sorgen. Egal, ob berechtigt oder nicht, für Hashtag&Co. gibt es noch keine Verurteilungen. Der vernichtende Tweet verschwindet irgendwann im Netz, aber der üble Beigeschmack bleibt. Mediale Hinrichtung nennt es sich und ist einfach nur furchtbar, eine Art neuzeitliche Hexenjagd.

Selbst bei ernsten Übergriffen wird heutzutage erstmal Twitter, Facebook oder Instagram bemüht und erst dann geht man zur Polizei. Ist das nicht krank, Leute?

Für mich hat es mit dieser leidigen #Metoo Kampagne im vergangenen Herbst angefangen. Nach dem die Machenschaften des Harvey Weinstein öffentlich wurden und die ganze Welt so tat, als sei sie total überrascht. Überall in den sozialen Netzwerken tauchten plötzlich Posts von sexuellen Übergriffen auf, alle schön mit dem Hashtag #Metoo versehen.

Warum es mich gestört hat? Erklär ich euch sofort:

Erstens finde ich es auch schon als Teenager sehr verlogen zu behaupten, dass niemand von diesen „Gepflogenheiten“ in Hollywood wußte. Auch ohne sich näher dafür zu interessieren, dürften wohl alle schonmal davon gehört haben, dass manche Menschen ihre Macht ausnutzen, um an sexuelle Gefälligkeiten zu kommen. Das ist absolut eklig und muss bestraft werden. Punkt! Genauso schlimm ist es in meinen Augen aber auch, sich für eine Karriere darauf einzulassen.

Denn nur weil es Menschen gibt, die für ihren beruflichen Erfolg eben alles tun, können Menschen wie Harvey Weinstein eben tun, was sie tun. Punkt!

Inzwischen werden in Hollywood gleich ganze Filme neu geschnitten, wenn gegen einen Mitwirkenden ein Vorwurf bei Facebook gepostet wird. Egal, ob bewiesen oder nicht, jeder Vorwurf zählt! Die Betroffenen melden sich meist erst nach Jahren oder sogar Jahrzehnten. Scham kann wohl nicht der Grund sein, denn dann würde man eher auf eine digitale Hetzkampagne verzichten.

Mich macht diese ganze #Metoo Kampagne nur unsicher und wütend. Was jetzt alles als sexuelle Belästigung ausgelegt wird ist schier unglaublich und am Ende erkennen wir gar nicht mehr die wirklichen Übeltäter. Es wird lieber darüber diskutiert, ob eventuell ein Hinterherpfeifen schon sexuelle Belästigung oder nur eine nervige Anmache sei. Auf irgendeinem Blog habe ich sogar gelesen, dass es wohl auch einen Unterschied macht, ob der Typ einem gefällt oder nicht. Das heißt im Klartext, gefällt er uns, ist die Anmache in Ordnung. Aber wehe er entspricht nicht unserem Schönheitsideal, dann ist es eindeutig sexuelle Belästigung. Und das soll korrekt sein?

In dieser Fülle von angeblichen Übergriffen gehen tatsächliche Straftäter unter und kommen einfach davon. Das hat nichts mit Feminismus zu tun, das ist einfach nur ein riesen Rückschritt. Vielleicht sogar initiiert von Gegnern der Gleichberechtigung, wer weiß?

Falls es jetzt Diskussionen gibt, dieses Thema habe ich ausführlich mit meinen Eltern besprochen und bei einigen Formulierungen haben sie mir auch geholfen. Sie sind im Übrigen der Meinung, dass wir Mädels durchaus in der Lage sind, uns gegen zudringliche Männer zur Wehr zu setzen. Wenn jedoch körperliche oder physische Gewalt im Spiel ist, sollte unser Ansprechpartner nicht Facebook, sondern die Polizei sein. Ich will also mit meinem Post keinerlei Gewalttaten herunter spielen, ich wollte nur meine persönliche Meinung zu den digitalen Hetzkampagnen zum Ausdruck bringen.

Digitale Hetzkampagnen sind in meinen (geschlossenen) Augen eine Art neuzeitliche Hexenjagd und so etwas brauchen wir nicht, oder?
Ich werde meine Augen also nicht verschließen, wenn ich Dinge ungerecht finde. (Auch wenn es mein Lidstrich auf diesem Foto wirklich hergibt… Ein kleiner Scherz wird wohl auch bei diesem ernsten Thema erlaubt sein, oder?)

Genau so ein Störgefühl wie bei der #Metoo Kampagne habe ich auch beim jüngsten Shitstorm gegen H&M. Dort geht es um ein Bild eines kleinen dunkelhäutigen Jungen, der einen Pullover mit der Aufschrift „Coolest Monkey in the Jungle“ trägt. Man wirft H&M nun Rassismus vor. Ich musste erstmal überlegen, was genau der Grund sein könnte. Ich persönlich wäre gar nicht auf die Idee gekommen, dies als Angriff auf die Hautfarbe des Kleinen zu sehen. Für mich ist es eher eine fragwürdige Denke, dort eine Verbindung herzustellen. In meinen Augen ist es einfach ein kleiner Junge, der einen coolen Hoodie trägt. Vielleicht sogar, weil er Affen besonders gern mag!

Und nun ist das Bild des kleinen Jungen, auf das er selbst wahrscheinlich mega stolz war, von der H&M Website verschwunden. Dafür ist es in den sozialen Medien umso präsenter, als Teil einer digitalen Hetzkampagne gegen H&M. Keiner dieser vielen Empörten bei Twitter&Co. hat sich auch nur ansatzweise Gedanken gemacht, wie sich der kleine Junge jetzt fühlt. Vielleicht hat er sich bis heute nie Gedanken über seine Hautfarbe gemacht? Das dürfte dann ab jetzt vorbei sein! Und Affen mag er nun vielleicht auch nicht mehr, obwohl die doch wirklich cool sind. Nur schade, dass sie noch nicht twittern können, sie hätten jetzt allen Grund eine digitale Hetzkampagne zu starten.

Ich könnte mich jetzt wahrscheinlich stundenlang über alle erdenklichen digitalen Hetzkampagnen auslassen, aber ich denke, dass ich das Wichtigste nun aufgeschrieben habe.

Mein Wunsch an die Zukunft wäre, dass die Menschen nicht blind irgendwelche Hetzkampagnen verbreiten, sondern die Dinge wieder mehr hinterfragen. So wie wir es als kleine Kinder auch getan haben.

„Wer, wie, was? Wieso, weshalb, warum? Wer nicht fragt, bleibt dumm!“ 🙂

Erfindungen wie Facebook, Instagram, Hashtags...
Lasst uns nicht in die Geschichte eingehen, als eine Gesellschaft, die sich durch ihre eigenen Erfindungen selbst zerstört hat!

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2 Responses to "Die Welt spielt verrückt – Eine digitale Hetzkampagne jagt die nächste"
  1. Huhu liebe Charlie,

    ich sage es ja immer wieder, aber ich finde du bist schon so reif für dein Alter und denkst über so ernste Themen nach, dass ich einfach nur überrascht bin. Positiv natürlich. Da muss ich mir jetzt einen Moment Zeit nehmen zum Antworten.

    Zu allererst: ich finde es super, dass du dich bei ernsteren Themen noch mit deinen Eltern besprichst, bevor du sie postest. So läufst du nicht Gefahr aus dem Bauch heraus deine Wut kundgetan zu haben, was du später vielleicht bereuen würdest. Also super, dass du den Text deinen Eltern gezeigt hast.

    Ich bin ganz bei dir und deiner Meinung. Ich sehe dieses Thema zu 100% wie du. Gut, soziale Medien sind natürlich der beste Weg, um eine Neuigkeit so groß raus zu bringen. Aber wie du schon sagst: in der Branche wussten sicherlich mehr davon, als es zugegeben haben. Und ich bin auch deiner Meinung, wenn du sagst, diejenigen, die sich auf solche Dinge einlassen, ermöglichen den Tätern erst überhaupt die Tat. Das ist korrekt, auch wenn es sicherlich einige gab, die dem ganzen nicht zugestimmt haben und trotzdem belästigt wurden. Das ist nicht in Ordnung, aber dennoch wurde Weinstein sicherlich dazu ermutigt, dies weiter zu tun, weil er es ja konnte. Schlimm finde ich es aber tatsächlich, wie sich dieses Thema nun hochspielt. Dein Vergleich mit Anmache oder sexuelle Belästigung je nachdem wie man die Person findet … da fehlen mir die Worte.

    Genau so zur H&M Kampagne. Ich habe das in den News gelesen und natürlich sofort gegooglet. Peinlich, worüber sich die Menschen wieder aufregen. Peinlich, dass man überall nach Fehlern sucht, vorzugsweise nach rassistischen. Ich bin mir sicher, dass der kleine Junge und auch seine Eltern das ganze nicht als rassistisch angesehen haben, sonst wäre das Bild gar nicht entstanden. „Farbige Menschen“ machen meist sogar Witze darüber, nur die Deutschen und der Rest der Welt haben mal wieder ein Problem. Ich finde das lächerlich und wie du sagst: der kleine Junge war vielleicht sogar stolz auf der H&M Seite aufzutauchen. Sein Traum wurde nun gekippt.

    Wie du siehst sind diese Themen tatsächlich in rage bringend. Vielleicht wird sich die Sicht auf diese Dinge in Zukunft mal ändern. Es gibt doch schließlich wichtigeres, als ständig nach Hingespinsten zu suchen!

    Liebe Grüße,
    Maj-Britt

    http://www.dailymaybe.de

    • Liebe Maj-Britt,

      erst einmal Danke für dein Lob und natürlich deinen Mega-Kommentar. 🙂 Ich freue mich wirklich, dass du auch meiner Meinung bist. Das ist im Moment ja nicht überall so, alle plappern nur irgendwelche Parolen nach und denken gar nicht mehr selbst.
      Ja, bei so ernsten Themen berate ich mich lieber mit meinen Eltern, da fühle ich mich irgendwie sicherer. Da bin ich dann doch noch das Kind, hi, hi… Aber eins mit einer eigenen Meinung! 😉

      Ich finde eben auch, dass diese Hetzkampagnen so viel kaputt machen und uns wieder einige Schritte zurück gehen lassen. Das ist schade und so unnötig. Gerade bei der H&M Geschichte tut mir dieser kleine Junge unendlich leid, aber er hat wohl eine sehr kluge Mami, die ihm den Rücken stärkt und sich gegen diese ganze Rassismus Paranoia stark macht.
      Aber es ist schon sehr beunruhigend, wie sich so eine Sache durch Social Media hochkochen lässt. Merkwürdig nur, dass es bei positiven Dingen nie solche Ausmaße annimmt. Kommt vielleicht noch! 🙂
      Mir geht es wie dir, ich könnte mich stundenlang darüber „auslassen“ und würde gern wissen, ob die Menschen am Ende zufrieden sind, die solche Hetze losgetreten haben.
      Ich wünsche dir noch einen schönen Abend und danke dir nochmal sehr für diesen Kommentar. Das macht mir Mut, auch solche Themen auf dem Blog anzugehen. 🙂
      LG Charli

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