Ich stehe mehr auf Mars

Ich möchte auf keiner Seite stehen müssen – ich bin für ein Dazwischen und ein Miteinander

Ich habe sehr lange überlegt und auch mit meinen Eltern diskutiert, ob ich dieses Thema hier überhaupt aufgreifen sollte, oder ob es auf dem Blog einer 13jährigen nichts zu suchen hat.

Aber ich bin der Meinung, dass auch ich als 13jährige Schülerin ein Recht und vielleicht auch ein bisschen die Pflicht habe, mich zur aktuellen Situation in Deutschland zu äussern. Auch das gehört ja schliesslich zum Erwachsenwerden dazu.

Es geht um Flüchtlinge.

Das habt ihr euch jetzt sicher schon gedacht. Ich denke, dass dieses Thema uns alle zur Zeit sehr beschäftigt. Und es macht auch vor uns Kindern nicht halt! Logisch, oder? Es ist doch auch unsere Heimat.

Dass ich gern verreise ist ja kein Geheimnis. Ich finde es spannend andere Länder zu erkunden und fremde Kulturen kennenzulernen. Ich probiere gern fremdartige Gerichte und finde es toll, wenn Menschen viele Sprachen sprechen.

Aber ich komme auch immer wieder gern zurück nach Deutschland.

Das ist meine Heimat, da ist meine Familie, da sind meine Freunde und nicht zu vergessen: Da warten meine beiden Kätzchen auf mich. Im Übrigen sind die beiden ja auch multikulti. Der Papa ist ein Norwegischer Waldkater und die Mama ist eine Britisch Kurzhaar Katze, aber zurück zum Thema Flüchtlinge.

Als Kind sieht man manchmal die Dinge anders, als es die Erwachsenen tun und ich denke, dass manche Probleme auch mit den Augen von Kindern gesehen werden sollten. Ein bisschen unbefangener vielleicht. Ihr versteht, was ich meine.

Wir Kinder können unsere Ängste und Sorgen einfach aussprechen, ohne das alles bewertet wird.

Und das ist gut so. Aber auch die Erwachsenen haben Ängste und Sorgen und auch sie sollten diese ansprechen dürfen, ohne sich rechtfertigen zu müssen.

Reden hilft immer! Das habt ihr Erwachsenen uns doch so beigebracht und ich habe es auch schon oft selbst erlebt.

Man spricht offen und ehrlich über ein Problem und am Ende löst es sich auf, oder wird kleiner und damit lösbar. Aber im Moment sieht es in unserem Land ja leider ganz anders aus.

Auf der einen Seite haben wir die Menschen, die laut „All Refugees welcome“ rufen und die Menschen auf der anderen Seite wollen gar keinem helfen? Ist das so? Ist wirklich jeder, der den ständig steigenden Flüchlingszahlen skeptisch gegenübersteht sofort ein Menschenverachter und ein Nazi?

Ich bin ein Kind und ich darf sagen, was ich denke, oder?

Also, ich empfinde dieses „Wir retten alle Flüchtlinge!“ als absolut überheblich und gefährlich, dass kann wohl kein Land alleine schaffen.

Auch Deutschland braucht da Hilfe! Mit ein paar Spenden und selbstgemalten Schildern werden wir das Problem ganz sicher nicht lösen.

Und wenn den Flüchtlingen so etwas versprochen wird, muss auch abgesichert sein, dass wir das schaffen können. Und das können wir nur alle zusammen.

Ausserdem glaube ich schon, dass wir dafür sorgen müssen, dass zuerst denen geholfen wird, die es am Nötigsten haben. Nämlich den Menschen, die wirklich fliehen müssen, die keine Wahl haben.

Solidarität muss auch unter Flüchtlingen herrschen.

Und ich wünsche mir Ehrlichkeit. Ehrlichkeit in beide Richtungen, denn falsche Zahlen oder verschwiegene Tatsachen lassen nur Raum für Fehlinformation und Angst.

Das was zum Beispiel in Dresden passiert, finde ich schrecklich. Aber besonders schrecklich finde ich die Spaltung der Leute dort, dieses entweder oder.

Diese ganzen Demos und Gegendemos kosten unendlich viel Geld. Geld was an anderer Stelle viel mehr gebraucht wird. Ich finde dieses „Gesicht zeigen“ kann man doch auch an sinnvollerer Stelle. Dazu müssen wir uns nicht untereinander bekriegen.

Mehr Mars, weniger Wars! Wenn wir alle zusammen rücken und weniger gegeneinender arbeiten, brauchen wir das Worte wie Krieg oder Wars vielleicht irgendwann nicht mehr.
Ich stehe da eher auf Mars!

Diese ganze Radikalisierung macht mir Angst und die gibt es doch inzwischen auf beiden Seiten.

Freundschaften werden auf die Probe gestellt, weil der eine an der Gegendemo teilnimmt und der andere nicht. Das ist Schwachsinn und macht nur die Falschen stark.

Und das meine ich mit Dazwischen.

Warum können wir nicht das Dazwischen sein?

Ich habe mal irgendwo gelesen, dass der Central Park in New York so wichtig ist, weil er für die Menschen dort so etwas wie eine Pufferzone ist. Damit sie nicht durchdrehen, sich erholen, zu sich kommen, Sorgen vergessen und so weiter. Es würde ohne ihn viel mehr Aggression und Kriminalität geben.

Wir könnten ein Dazwischen sein, ein Central Park für alle.
Hier im Central Park erholen sich die Menschen einfach, ganz egal wer sie sind oder was sie denken. Sie reden oder spielen miteinander. Wie schön wäre es, wenn es einen Central Park für die ganze Welt gäbe.

Also lasst uns einfach der Central Park sein, damit wir Kraft sammeln für die Aufgaben die auf uns so zukommen werden.

Wir hatten in der letzten Schulwoche vor den Herbstferien einige Projekttage zum Thema Flüchtlinge und auch dabei sind mir einige Dinge aufgefallen, die ich befremdlich fand.

An einem Tag kamen Studenten zu uns, die mit uns das Thema Flüchtlinge und Rassismus besprechen wollten. Sie haben uns eigentlich nichts berichtet, was wir nicht alle schon aus den Medien wussten und auf die Fragen, die wir ihnen stellten, haben sie hauptsächlich ausweichend geantwortet. Am Ende der Stunde sollten wir uns alle in eine Liste eintragen und mussten auch unsere Adressen angeben. Auf die Frage, warum, wurde uns erklärt, dies brauchen sie für die Abrechnung.

Abrechnung? Da wird Geld für bezahlt?

Das fanden wir dann alle doch etwas fragwürdig. Wofür denn? Keiner von uns hat bei dieser Aktion wirklich etwas gelernt. Kann dieses Geld nicht lieber für die Flüchtlinge direkt ausgegeben werden?

Am nächsten Tag hatten wir dann allerdings eine super coole Aktion mit drei jungen Afrikanern aus Uganda, Ghana und der Demokratischen Republik Congo, die uns ihre Musik und ihre Tradition näher gebracht haben.

Wir haben gemeinsam getrommelt, gesungen und getanzt.

Und vor Allem viel miteinander gelacht. Das war für uns alle eine Bereicherung und tausend mal mehr wert als der Vortrag der Studenten am Tag davor.

Ach so, eine Sache war auch hier wieder absolut unnötig: Das Projekt wurde von einem deutschen Mann begleitet, der es uns am Anfang vorstellte und dann erklärte, dass es in Bezug auf die Flüchtlinge in Deutschland drei vorherrschende Meinungen gäbe. Einmal die Mitbürger, die helfen wollen, dann die Menschen, die noch unentschlossen sind und die, die einfach dagegen sind. Aha! Ist es so, ja?

Wir sollten uns dann natürlich auch einer Gruppe zuordnen und uns melden.

Auch bei seiner Einleitung ging es also wieder um Gruppen bzw. Seiten und die Frage: Auf welcher Seite stehst du?

Den jungen Afrikanern war das absolut egal, sie haben mit uns Spass gehabt und wir mit ihnen.

Sie haben uns auch erklärt, dass sie nicht nach Deutschland gekommen sind, um hier von Sozialhilfe oder so zu leben. Sie wollen hier arbeiten und irgendwann vielleicht auch wieder in ihre Heimat zurückgehen und dort ihre vom Krieg zerstörte Heimat wieder aufbauen.

Mir hat dieser Projekttag am besten gefallen und genauso würde ich es mir für unser Land wünschen. Ein grosses fröhliches Miteinander und jeder muss dazu beitragen, dass unsere Gesellschaft sich entwickelt. Jeder! Es geht nur miteinander. Und dazu gehört eben auch, dass es bestimmte Regeln gibt. Und auch diese müssen eingehalten werden. Von jedem!

Gewalt, Kriminalität und Verbrechen egal von wem ausgeübt ist immer falsch und es gibt dafür keine Rechtfertigung. Niemals!

Aber nur miteinander und dazwischen wird gelacht und getanzt. ;)
Ich denke wir kriegen das hin, oder?

P.S. Ich musste diesen Post einfach schreiben, weil es mir wichtig ist. Und natürlich freue ich mich auch auf eure Meinungen und Kommentare.

Da es aber ein schwieriges Thema ist, will ich gleich klarstellen, dass Beschimpfungen oder radikale Parolen auf meinem Blog nichts verloren haben.

Wer also dieses Central Park-Ding nicht verinnerlicht hat, sucht sich einfach eine andere Plattform oder macht einen schönen Herbstspaziergang.

2 Responses to "Ich möchte auf keiner Seite stehen müssen – ich bin für ein Dazwischen und ein Miteinander"
  1. Liebe Charli,

    habe dich eben über deinen Kommentar auf meinem Blog entdeckt – lieben Dank dafür x

    Und gestehe, ich musste zweimal schauen, ob du wirklich erst 13 Jahre bist. So eine tolle Einstellung, davon können sich ganz viele eine Scheibe abschneiden. Am besten ganz dick…und vor allem wir Erwachsenen 😉

    Ich hoffe, die Welt wird ein großes Stück wieder mehr wie der Central Park – dann können die Menschen dort leben, wo sie auch wirklich sein wollen.

    Liebe Grüsse x

    • Oh, hallo!
      Das ist ja schön. Freue mich ganz riesig über deinen Kommentar! 🙂
      Ich hatte bei dem Blogpost erst etwas Angst, dass man mich nicht richtig verstehen könnte, darum freut mich dein Kommentar ganz besonders.
      Habe mich auch etwas geärgert, deinen Blog nicht schon früher entdeckt zu haben, denn der Restaurant-Tipp wäre ideal gewesen! Aber wir hatten meinen großen Bruder mit dabei, der ist eher nicht so experimentierfreudig bei der Nahrungsaufnahme. 🙂
      Ab jetzt werde ich öfter vorbeischauen! 😉
      Liebe Grüße,
      Charli
      P.S. Wir sehen uns dann im Central Park! 😉

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