Urban Fashion Girl

Eine Regengeschichte für einen verregneten Montag

Da sich bei uns heute Regen und Sonnenschein nicht ganz einig werden, habe ich beschlossen euch mit einer schönen Geschichte zu unterhalten.

Ihr wisst ja, dass meine Mami mir ab und zu Geschichten geschrieben hat, als ich noch kleiner war. Und eine passt perfekt zum heutigen Regenwetter, denn in ihr spielt ein Regenschirm eine ganz besondere Rolle und eine Menge Regen gibt es auch.

Da die Geschichte etwas länger ist, werde ich sie in drei Teile teilen. Das erhöht die Spannung und ausserdem müsst ihr mich morgen und übermorgen hier nochmal besuchen.

Also, los gehts:

Eine Regengeschichte

Urban Fashion Girl
Das ist übrigens ein Foto von mir, das meine Mama damals zu dieser Geschichte inspiriert hat.

 

Emilia liebt den Regen, besonders die warmen weichen Tropfen im Sommer.

Wenn die anderen Kinder bei Regen lieber drinnen spielen oder vor dem Fernseher sitzen, zieht sich Emilia ihr schönstes Sommerkleid an, nimmt sich den zauberhaften Regenschirm, den sie von Ihrer Grossmutter aus England geschickt bekommen hat und geht raus in den Regen.

Emilia lebt in einer grossen Stadt, doch nicht weit von Ihrem Haus gibt es einen kleinen Weg, den kaum jemand kennt und der zu einem alten nicht mehr genutztem Tunnel führt.

Den geheimnisvollen Pfad hat Emilia einmal während eines Regenspazierganges mit ihrer Grossmutter entdeckt und besucht ihn jetzt immer wenn die Sehnsucht nach ihrer Grossmutter besonders gross ist.

Emilias Grossmutter Ayela lebt in England am Meer. Emilia war schon sehr oft in den Ferien dort und liebt besonders die langen Abende im Hause ihrer Grossmutter.

Die Grossmutter erzählt dann immer vom früheren Leben in der englischen Stadt, als die elegante Gesellschaft dort ihren Urlaub verbrachte. In den Teehäusern traf man sich zu stilvollen Afternoon Teas und im alten Grandhotel an der Hauptstrasse gab es zu jener Zeit legendäre Tanzabende im glamourösen Ballsaal.

Emilias Grossmutter war damals etwa 10 Jahre alt, also genauso alt wie Emilia heute und durfte natürlich nicht mit ihren Eltern zu den Tanzbällen, sondern blieb mit ihrer Kinderfrau Florinde zu Hause in der wunderschönen Villa am Rande von Southport.

Bei schönem Wetter setzte sie sich mit Florinde auf die rosenumwachsende Veranda und sie erzählten sich Geschichten.

Wie alle kleinen Mädchen war auch Emilias Grossmutter als Kind von Feen begeistert und so erfand die Kinderfrau Florinde immer neue märchenhafte Abenteuer, die die kleinen Wesen im Garten des Hauses bestehen mussten.

All diese Geschichten hat die Grossmutter Ayela nie vergessen und erzählt sie heute noch ihrer Enkeltochter Emilia an den langen Ferienabenden auf der Rosen-Veranda oder an verregneten Nachmittagen vor dem grossen schwarzen Kamin im Salon.

Manchmal gehen sie auch in das alte Grandhotel. Sie trinken Tee und essen köstliches Gebäck. Dann ist Emilia immer auch ein bisschen traurig, dass sie die alten glamourösen Zeiten dieser Stadt nicht miterleben konnte.

Sie spazieren im Hotel umher, entlang der langen Flure, die noch heute den alten Glanz ausstrahlen. Sie klettern die pompösen Treppenaufgänge empor und tun so als würden sie aufwendige Ballkleider tragen.

Auch der alte Ballsaal beeindruckt Emilia immer wieder. Doch heute werden dort keine legendären Bälle mehr abgehalten, nur ab und zu sieht man im Frühjahr Hochzeitsgesellschaften im Saal verschwinden.

Aber Oma Ayela sagt dann immer, dass auch die pompöseste Hochzeitsgesellschaft nicht zu vergleichen wäre mit den edlen Damen und Herren früherer Zeiten.

Und dann stellt sich Emilia ihre Urgrossmutter Agatha vor, wie sie in wunderschönen Kleidern dort im Ballsaal mit dem Urgrossvater tanzte. Einige der Kleider hängen noch heute in einem riesigem Schrank im Schlafzimmer, aber Emilia darf dort nicht ohne Aufsicht herumschnüffeln.

Ihre Grossmutter sagt dann immer, sie könne sich vielleicht verletzen, aber Emilia weiss ganz genau, dass sie wohl eher befürchtet es könne etwas kaputt gehen. Emilia spürt dann ganz deutlich, wie sehr die Grossmutter an an den Kleidern hängt und dass sie bei ihrem Anblick an ihre Kindheit zurückdenkt, die wunderschön war.

Das versteht Emilia dann auch, sie würde später ihren Kindern auch nicht erlauben in den Sachen ihrer Grossmutter herumzuwühlen. Sie wird es genauso wie Grossmutter Ayela machen, die die Kleider an manchen Nachmittagen aus ihren Hüllen nimmt, sie vorsichtig auf das grosse Bett legt und sie dann gemeinsam mit Emilia bestaunt.

Emilia kennt jedes Detail der aufwendig gearbeiteten Kleider, besonders das Gelbe hat es ihr angetan. In diesem Kleid, so erzählt Ayela jedes mal, soll die Urgrossmutter auch den Urgrossvater Albert kennengelernt haben.

Es ist aus zart gelber Seide gefertigt und hat zahlreiche Spitzen- und Perlenverzierungen, am Saum ist es mit einer lila goldenen Borte eingefasst. Um die Taille trug die Urgrossmutter immer eine Blumenkordel, die locker gebunden wurde. Auch diese Kordel ist noch da, ihre Farben sind in all den Jahren kaum verblasst und Emilia bewundert jedes mal die kleinen Perlen, die wie glitzernde Tautropfen  auf den Blättern sitzen.

In der Schule hat sie im Kunstunterricht einmal genau diese Blüten gemalt und dafür eine Eins bekommen. Ihren Freundinnen hat sie dann von diesem wundervollem Kleid erzählt und alle wollten am liebsten beim nächsten Mal mit zu ihrer Grossmutter kommen, um auch die schönen Kleider zu bewundern und natürlich Ayelas Geschichten zu hören.

Emilias Lehrerin hatte dann die Idee, die Grossmutter bei ihrem nächsten Besuch einmal in die Schule einzuladen, damit sie die ganze Klasse mit ihren wundervollen märchenhaften Erzählungen begeistern könne.

Grossmutter Ayela war davon natürlich sehr gerührt und hat gesagt, sie wird darüber nachdenken.

Aber seitdem hat Emilia nichts mehr von ihrer Grossmutter gehört, dieser letzte Brief kam zusammen mit dem zauberhaftem Schirm, den sie heute wieder bei sich trägt.

Damals war er in zartes Seidenpapier eingehüllt und trug an einem Seidenband einen verzierten Metallanhänger mit einer Fee auf der Vorderseite und einer Gravur auf der Rückseite.

Bis heute weiss Emilia nicht, was die Gravur zu bedeuten hat. Der Anhänger ist wohl schon sehr alt und zerkratzt, so dass die Buchstaben nicht mehr zu lesen sind. Auch Emilias Eltern konnten die Inschrift nicht entziffern und hatten keine Erklärung für das rätselhafte Medaillon.

Seit diesem Tag trägt Emilia das Seidenband mit dem Anhänger immer bei sich, meistens hatte sie es als Kette einfach um den Hals gelegt, so auch heute. Es passte hervorragend zu ihrem cremeweissem Sommerkleid, was sie gemeinsam mit ihrer Mutter ausgesucht hatte.

Als der Regen begann, hatte Emilia sich den Schirm genommen und sich sofort auf den Weg zu ihrem Geheimtunnel gemacht. Die ganze Zeit schwirrten ihr Gedanken durch den Kopf und alles hatte irgendwie mit Grossmutter Ayela zu tun.

Emilia hatte gar nicht bemerkt, dass sie schon fast am Tunnel angekommen war und der Regen auch immer stärker wurde.

Es war wie immer kein Mensch zu sehen als Emilia den alten Tunnel betrat. Sie hatte ganz vergessen, den Schirm zu schliessen und lauschte dem nun laut prasselndem Regen draussen.

Irgendwie hatte Emilia das Gefühl, dass der Regen ganz weit weg war und im Tunnel Sonnenschein flimmerte, ‚ja da war doch leises Vogelgezwitscher zu hören‘.

Sie blickte sich suchend um, aber es war nichts zu sehen. Die Geräusche kamen ihr irgendwie bekannt vor, so als ob sie von einem Ort stammten, an dem Emilia schon einmal war. Merkwürdig!

Nun bemerkte Emilia, dass der Schirm immer noch aufgespannt war. Sie schloss ihn und lehnte den Schirm vorsichtig an die Steinwand des Tunnels.

Jetzt war der Regen wieder ganz laut und die geheimnisvollen Geräusche waren verstummt. Hatte Emilia sich das alles nur eingebildet?

Plötzlich war ihr ganz unheimlich zu Mute und sie sehnte sich nun in ihr gemütliches Kinderzimmer zurück. Aber der Regen war so stark, dass sie nicht losgehen konnte. Was sollte sie tun?

Sie musste sich irgendwie ablenken, also versuchte sie sich auf andere Gedanken zu bringen und tanzte im Tunnel umher. Dabei sang sie eines ihrer Lieblingslieder. Das machte Spass und sie vergass die unheimlichen Klänge.

Da fiel ihr Blick auf ihren Schirm und sie beschloss sich einen Regentanz auszudenken. Den konnte sie dann auch ihren Eltern zu Hause vorführen, oder vielleicht  irgendwann der Grossmutter.

Emilia schnappte sich den Schirm und schleuderte ihn graziös herum, dann öffnete sie ihn und tanzte quer durch den Tunnel.

Aber ihr Gesang bekam plötzlich ein leises Echo und auch das Vogelzwitschern war wieder da. Den Regen den sie am Eingang ganz deutlich sah, konnte sie nun gar nicht mehr hören. Was war das nur?

Emilia verstummte, doch in der Ferne erklang ihr eigener Gesang. Er kam von der anderen Seite des Tunnels.

Emilia hatte Angst.

Am liebsten hätte sie sich in eine Ecke gesetzt und ihre Augen und Ohren ganz fest zugehalten. Aber irgendwie packte sie auch die Neugier und sie wollte wissen, was am anderen Ende des Tunnels los war, ob auf der anderen Seite tatsächlich die Sonne schien.

Kurzentschlossen legte sie den Schirm zusammen und stellte ihn wieder an die Wand. Als sie sich dem dunklem Ende des Tunnels zuwandte, hörte sie wieder den prasselnden Regen und von zwitschernden Vögeln war auch keine Spur mehr. Der Gesang war ebenfalls verstummt.

Was war hier los, wurde sie jetzt verrückt oder spielte ihr jemand einen Streich?

Das musste sie natürlich herausfinden. Emilia ging mit grossen Schritten in Richtung des anderen Ausganges.

Doch auch da prasselte laut der Regen. Es gab keine Spur von Sonne oder Vogelgezwitscher und zusehen war auch niemand.

Emilia war also wirklich ganz allein hier, was ihr jetzt natürlich gar nicht gefiel. Sie dachte an ihr schönes Zimmer, in dem sie jetzt ganz gemütlich ein Buch lesen oder mit ihrer Freundin zeichnen könnte.

Wieso musste sie bei diesem furchtbarem Wetter denn auch raus gehen? Wer hatte sie nur auf solche Ideen gebracht?

Da fiel ihr natürlich sofort wieder ihre Grossmutter ein, die hatte irgendwie nie Angst. Sie wusste immer, was zu tun sei. Und die Idee, im Regen umher zu laufen, war natürlich auch von ihr.

Was würde sie wohl tun in so einer Situation?

Sie würde wahrscheinlich einfach den Regen beobachten, oder sie würde dem Regen trotzen und schnurstracks nach Hause gehen.

Ja, das würde sie tun. Wenn es Grossmutter Ayela irgendwo nicht gefällt, geht sie einfach! Genau! Emilia schnappte sich ihren Schirm und rannte los!

Doch schon nach den ersten Metern war sie entmutigt. Der Regen peitschte ihr ins Gesicht, so dass der Schirm ihn nicht richtig abhalten konnte und ihr schönes neues Sommerkleid wurde auch vollgespritzt.

Mama wird es sicher nicht gefallen, wenn sie so eingedreckt nach Hause kommt, dachte sich Emilia und rannte zurück zum Tunnel.

Den Schirm noch geöffnet und klatschnass kam sie im Tunnel an. Sie lauschte! Wieder sangen Vögel! Kein Regen war zu hören!

Und sie hörte wieder ihren eigenen Gesang. Dann schloss sie den Regenschirm. Nun war der Regen wieder laut und deutlich zu hören! Was hatte dies alles zu bedeuten?

Emilia hatte irgendwie den Eindruck, sie machte die Geräusche selbst. Aber wie? Der Regen prasselte laut und Emilia überlegte, wann genau die Klänge sich geändert hatten. Aber sie kam nicht dahinter

Vor lauter Nervosität spielte sie an ihrem Schirm, machte ihn auf und zu. Auf und Zu!

War da wieder das Vogelgezwitscher? Nein, nur der Regen! Doch, Emilia war sich sicher wieder Gesang gehört zu haben, gerade als sie ihren Schirm…

Ja, das war es! Die geheimnisvollen Klänge kamen immer, wenn sie im Tunnel den Schirm geöffnet hielt. Sie probierte es aus.

Und tatsächlich, wenn der Schirm geschlossen war, hörte sie den Regen. Aber wenn sie ihn geöffnet hielt, vernahm sie diese zauberhaften Klänge, die ihr immer mehr bekannt vorkamen. Emilia versuchte sich ganz fest zu erinnern, sie hatte jetzt auch keine Angst mehr. Nein, sie fühlte sich sogar irgendwie glücklich.

Was würde wohl Grossmutter Ayela zu dieser verrückten Geschichte sagen? Und da erkannte sie ganz plötzlich all diese wundersamen Geräusche!

Sie stammten aus Grossmutter Ayelas Garten. Es war das gleiche Vogelgezwitscher, das Emilia dort in den Sommermonaten immer vernommen hatte. Und der Gesang? War sie das tatsächlich selbst?

Als sie gerade versuchte, sich genau auf die Stimme des Mädchens zu konzentrieren fiel ihr Blick auf den anderen Ausgang des Tunnels. Sie sah dort eine kleine Öffnung in der Aussenwand, die ihr vorher noch nicht aufgefallen war.

Mit geöffnetem Schirm ging Emilia auf die Öffnung zu und entdeckt dahinter einen sonnengelben Vorhang. Darum kam es ihr so vor, als würde Sonne im Tunnel scheinen: Das Gelb sah aus wie Sonnenstrahlen!

Emilia musste nicht lange überlegen, sie strich den merkwürdigen Vorhang beiseite und lugte durch die Öffnung. Sie musste zweimal hinschauen damit sie glaubte was sie dort sah!


Wenn ihr wissen wollt wie es hier weitergeht müsst ihr morgen wieder vorbeischauen – Fortsetzung folgt!
Bis dann, eure Charli.

2 Responses to "Eine Regengeschichte für einen verregneten Montag"

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