Wer hat, sollte beim lesen des Buches "Düsterbusch City Light's" ein FDJ Hemd anziehen und die AMIGA-Scheibe "Parocktikum - Die anderen Bands" auflegen

„Düsterbusch City Lights“ von Alexander Kühne

Heute gibt es mal wieder eine Buchrezension von Mami, denn Alexander Kühnes Buch „Düsterbusch City Lights“ spielt in der Zeit, als Mami und Papi noch ganz jung waren. Also, so vor ca. 100 Jahren… Ha, ha..

Naja, nicht ganz. Es spielt wieder in der Vergangenheit, als Deutschland noch in zwei Teile geteilt war und der eine davon sich Deutsche Demokratische Republik, kurz DDR, nannte. Ja, genau wie bei diesem Buch hier. Nur, dass „Düsterbusch City Light’s“ nichts für uns Kids ist.

So, Mami, du darfst!


 

Wer hat, sollte beim Lesen des Buches "Düsterbusch City Light's" ein FDJ Hemd anziehen und die AMIGA-Scheibe "Parocktikum - Die anderen Bands" auflegen
Wer hat, sollte beim Lesen des Buches „Düsterbusch City Lights“ ein FDJ Hemd anziehen und die AMIGA-Scheibe „Parocktikum – Die anderen Bands“ auflegen

Ehrlich gesagt, habe ich mich auf dieses Buch wirklich riesig gefreut. Eine Geschichte über einen, der in einem Provinznest einen coolen Musikclub aufmachen will, ist ja allein schon spannend. Und wenn die Geschichte auch noch zu Zeiten der DDR spielt, kommen noch einige lebhafte  Erinnerungen dazu. Stimmt, ich bin ein Kind dieser Zeit und aus diesem Grund wohl auch ein besonders kritischer Leser. Deshalb endschuldige ich mich gleich am Anfang für meine Nörgelei über kleine Ungereimtheiten.

Andererseits möchte ich mich an dieser Stelle aber auch beim Autor Alexander Kühne bedanken, dass sein Buch uns an diese Zeit erinnert hat und allein die Diskussion über den Roman längst Vergessenes hervorbrachte.

Alexander Kühne hat mit „Düsterbusch City Lights“ einen, stark von seiner eigenen Jugend in Logau inspirierten, Roman geschaffen, der sicher für Leser, die diese Zeiten nicht selbst erlebt haben, spannend sein wird. Er beschreibt den Alltag im Osten mit all seiner Tristesse und man kann den Drang des Protagonisten Anton Kummer sehr gut nachvollziehen aus dieser dörflichen „Idylle“ ausbrechen zu wollen.

Der musikbegeisterte Anton will die große weite Welt in Form von Punk und New Wave in sein kleines Kaff holen und träumt von Automaten mit Leuchtreklame. Schon optisch unterscheidet sich der Sohn einer Lehrerin von der restlichen Dorfjugend. Seine Lehre bricht er ab und schlägt sich mit Jobs auf dem Kohlenplatz durch. Natürlich nicht zur Begeisterung seiner kommunistischen Zeitgenossen.

Eigentlich ist es eine typische Coming of Age – Story, nur das dieses Erwachsenwerden in der DDR noch um einiges anders war, als wir es heute kennen.

Die Tatsache, dass ein Anderssein unter dem DDR-Regime nicht erwünscht war, machte  jugendliches Aufbegehren besonders schwer, oder gar gefährlich. Und da ist auch schon meine erste Kritik: Ich persönlich kann nur über meine Erfahrung in einer ostdeutschen „Großstadt“ sprechen, aber mir erscheinen die Erlebnisse in „Düsterbusch City Lights“ doch teilweise sehr geschönt und realitätsfern. Ein derartiges Auflehnen wurde damals sehr schnell bestraft und gerade in der ostdeutschen Punkszene, in der sich Anton Kummer bewegt, waren Gefängnis und Umerziehung z.B. in der Nationalen Volksarmee an der Tagesordnung. Punks durften teilweise nicht in die Innenstädte, oder hatten auch innerhalb der DDR Reiseverbot. Eine Beobachtung durch die Staatssicherheit war bei diesen Bands und ihren Anhängern allgegenwärtig.

Der Autor Alexander Kühne könnte sicher noch mehr Geschichten erzählen
Der Autor Alexander Kühne könnte sicher noch mehr Geschichten erzählen

Vielleicht wollte Alexander Kühne in seinem Roman nicht allzu politisch werden und hat aus diesem Grund manche Begebenheit vereinfacht dargestellt. Dies ist vielleicht für eine jüngere Leserschaft auch in Ordnung. Ich hatte allerdings stellenweise das Gefühl einen Schulaufsatz zu lesen.

Die Zeit, die Alexander Kühne in „Düsterbusch City Light’s“ beschreibt, war wirklich aufregend und wenn man den Lebenslauf des Autors betrachtet, hat er auch viel Spannendes erlebt, aber in seinem Roman findet sich davon leider nur wenig wieder. Ich denke, da steckt viel mehr Potenzial drin.

Denn auch kleine Anekdoten aus dem DDR Alltag hätten der Story gut getan und dem Roman auch einen etwas humorvolleren Aspekt gegeben.

Ich denke trotzdem werden viele ihre Freude an dem bei Heyne Hardcore erschienenem Roman „Düsterbusch City Lights“ von Alexander Kühne haben und die Punkszene der DDR bekommt die Aufmerksamkeit, die sie auch verdient hat.

Ob der Unterschied von Dorfjugend zu Stadtjugend damals wirklich so riesig war, kann ich natürlich nur teilweise beurteilen, aber eins weiss ich ganz genau: Mangos und Doc-Martens-Stiefel kamen sehr viel später.

Wer neugierig geworden ist, oder vielleicht ein Geschenk für DDR-Alt-Punks sucht, kann „Düsterbusch City Lights“ gleich hier bei Amazon bestellen:

 

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